Ziel und Methodik

Das Solarkataster der Gemeinde Haar soll den Gebäudebesitzern und Bürgern von Haar er­möglichen, schnell die Eignung individueller Häuser auf dem Gemeindegebiet von Haar in Bezug auf eine solare Energieerzeugung (Photovoltaik und/oder Solarthermie) auf Gebäu­de­dächern zu eruieren sowie die mit einer solaren Energieerzeugung möglichen Größenord­nungen der Strom- bzw. Wärmepotentiale zu ermitteln. Damit soll es dazu beitragen, die Energiewende unserer Gesellschaft, die sich auch in der Energie-Vision des Landkreises Münchens widerspiegelt und die Haar unterstützt, in Richtung einer nachhaltigen, emis­sions­freien und von ausländischen Lieferanten unabhängigen Energieversorgung umzu­setzen.

Das Solarkataster wurde in vier Schritten erstellt:

 

Schritt 1: Ermittlung geeigneter Gebäudedachflächen

Mittels einer manuellen Auswertung von Satellitendaten, die im Internet durch die bayerische Staatsregierung zur Verfügung gestellt werden, wurden alle geeigneten Dachflächen der Gebäude im Gemeindegebiet von Haar erfasst: Dachausrichtung, ungefähre Dachneigung, Verschattung, soweit sichtbar, und die Dachgröße der für Solaranwendungen geeigneten Dach­flächen. Die Genauigkeit der Dachflächenmessung beträgt in der Regel mehr als 95%, bei kleineren Dächern
(< 20 m²) kann sie auch bis etwa 90% reduziert sein.

 

Schritt 2: Dachbewertung

Die Dächer wurden entsprechend ihrer Himmelsausrichung, Dachneigung (Flachdach, geneigtes Dach) und Größe im Hinblick auf die wirtschaftliche Installation von Photo­voltaikanlagen bzw. solarthermischen Sonnenkollektoren bewertet. Nach Süden aus­gerichtete Schrägdächer sind i.d.R. sehr gut geeignet, nach Südwesten bzw. Südosten aus­gerichtete Dächer gut geeignet und nach Osten bzw. Westen ausgerichtete Dächer einge­schränkt geeignet. Dachflächen unterhalb von ca. 15 m² wurden wegen Unwirt­schaftlichkeit als nicht geeignet gewertet. Flachdächer über
50 m² Fläche sind i.d.R. gut geeignet.

Die Dachflächen wurden pauschal um 10% reduziert, um zu berücksichtigen, dass Solar­module nur in bestimmten Dimensionen ausgeliefert werden und daher nicht jedes Dach vollständig zu 100% bedecken können.

Natürlich muss auch der bautechnische Zustand der Dächer zur Bewertung herangezogen werden, dies kann aber ein Solarkataster nicht leisten.

 

Schritt 3: Solarmodell Photovoltaik

Auf Basis des bayerischen Solaratlas wurden die mittleren solaren spezifischen Einstrahlungswerte für Haar je nach Himmelsrichtung und Dachneigung ermittelt. Normiert auf 100% für eine Südausrichtung eines um 30 Grad geneigten Daches ergeben sich:

 

DachneigungSüdSüd-West/
Süd-Ost
West/Ost
88%88%88%
20°94%91%78%
30°100%94%79%
45°102%94%71%
60°98%86%59%

 

 

Das bedeutet, dass alle geneigten Dächer für die Ausrichtungen Süd bis Süd-West/Süd-Ost bis maximal etwa 45 Grad Neigung eine vielversprechende Einstrahlung im Hinblick auf den optimalen Neigungswinkel zwischen 30 und etwa 40 Grad besitzen. Nach Osten oder Westen ausgerichtete Dächer sind nur noch bedingt geeignet.

Der daraus abzuleitende Stromertrag hängt natürlich vom Wirkungsgrad der verwendeten photovoltaischen Zellen ab, der heute etwa zwischen 13% und 23% betragen kann. Im Mittel wurden die Katasterdaten auf Basis eines 18%igen Wirkungsgrades abgeschätzt. Modulauf­bau und Verschaltung mit einem Wechselrichter reduzieren diesen Wirkungsgrad in Summe auf etwa 14%, so dass in Haar bei einer optimal nach Süden ausgerichteten PV-Anlage jährlich etwa
177 kWh/(m² Jahr) im Mittel erzeugt werden können.

 

Schritt 4: Solarmodell Solarthermie

Mittels Solarkollektoren - als Vakuumröhrenkollektoren oder Flachkollektoren ausgebildet - kann vor allem in den Sonnenmonaten günstig und umweltfreundlich Wärme erzeugt werden, um entweder den Warmwasserbedarf anteilig zu decken oder sogar, in den Winter­monaten bzw. den Übergangsmonaten, die Heizungsanlage zu unterstützen. Als Erfahrungsrichtwerte für eine Warmwassererzeugung wird üblicherweise mit einem Deckungsgrad von 60% gerechnet. Das bedeutet, dass 40% der für Warmwasser notwendigen Wärme aus dem vorhandenen Heizungssystem, vor allem im Winter, gedeckt werden müssen. Eine solarthermische Heizungsunterstützung ist dagegen nur für die Häuser interessant, die ein Niedrigtemperaturheizsystem besitzen, z.B. eine Fußbodenheizung, und die wärmetechnisch auf einem sehr guten Niveau stehen, also nur wenig Heizwärme pro Jahr benötigen.

Für das Solarkataster wurde das Modell zugrundegelegt, dass ein Kollektor (Warmwasser­unterstützung) im Mittel etwa 400 kWh Wärme/(m2 Jahr) gewinnt und dass dadurch etwa 4-5 m² Kollektorfläche für einen Vier-Personen-Haushalt notwendig sind, um eine Deckungsrate von 60% bei der Warmwasserversorgung zu erreichen. Als Katasterwerte werden die Anzahl der Personen wiedergegeben, die solarthermisch so durch eine Anlage auf dem Dach zu versorgen sind, also bei 20 m² möglicher Kollektorfläche wären das 16 Personen.

Hinweis: die für dieses Solarkataster ermittelten Daten sind alle öffentlich zugreifbar und daher datenschutzrechtlich unbedenklich. Sollten Sie als Hausbesitzer dennoch nicht damit einverstanden sein, dass auch Daten für Ihr Haus in der Datenbank enthalten sind, dann setzen Sie sich bitte mit der Gemeinde Haar in Verbindung (Ansprechpartner Michael von Ferrari, email: ferrari ( at ) gemeinde-haar.de, Tel. 089 - 460 02-312). Wir veranlassen, dass Ihre Daten zeitnah aus der Datenbank entfernt werden.

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